Idee
Angebot
Vorteile

So geht's?



Links
Kontakt

Jungendfonds Enzkreis
Die Idee hinter dem Jugendfonds
Die Idee und die Ausgangslage des Projekts
Anlass dafür, über einen Aktionstag aller weiterführenden Schulen der Stadt Mühlacker nachzudenken, war die Forderung einiger Schüler nach den Ereignissen in Düsseldorf (Sommer 2000) „Wir wollen eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft durchführen, wie sie vor einigen Jahren schon einmal in Mühlacker stattgefunden hat!” Diese Idee wurde von den angesprochenen Lehrerinnen in den Aktionstag „Gewaltprävention an Schulen” hineingetragen. Ursprünglich war dieser Teil des städtischen Aktionstags „Kommunale Kriminalprävention”, der sich 1998 in drei Kreise auf gespalten hat. Neben einem Aktionstag, in dem Vertreter der örtlichen Kindergärten und Grundschulen gemeinsam an dem Thema „Gewaltprävention weiterarbeiteten und einem Aktionstag mit den Geschäftsleuten der Stadt Mühlacker, bildete sich der Aktionstag der weiterführenden Schulen. In den folgenden zwei Jahren stand hier vor allem das gegenseitige Kennenlernen sowie der Austausch über laufende Projekte im Vordergrund. Dabei spielten die Erfahrungen mit der Durchführung des sogenannten „Streitschlichterprogramms” eine zentrale Rolle.

Die Ziele des Projekts
Zu Beginn des Schuljahres 2000/2001 war daher die Zeit reif, über diesen Gedankenaustausch hinweg aktiv zu werden, so dass der Wunsch der Schüler nach einer Demonstration gegen Gewalt an allen Schulen der Stadt Mühlacker auf offene Ohren stieß. Während der Diskussion über den Verlauf einer solchen Demonstration wurde zunehmend deutlich, dass diese Aktion gegen Gewalt möglichst wenig verkopft angegangen werden sollte, um so auch wirklich den Schülerinnen und Schülern aller Schulen die Gelegenheit zu geben, sich in gleicher Weise an der Durchführung beteiligen zu können.
Als Idee stand plötzlich ein gemeinsamer Sporttag im Raum. Um durch den Wettkampfcharakter einzelner Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball bestehende Konflikte unter der Schülerschaft nicht zusätzlich zu verschärfen, entschlossen wir uns, gemischte Mannschaften zusammenzustellen. Jedes Team wurde vor dem Turnier zusammengelost, so dass innerhalb einer Mannschaft Vertreter verschiedener Schulen und Nationalitäten zu finden sind!
Damit das faire Miteinander im Vordergrund stand, wurde auch bewusst darauf verzichtet, Urkunden oder Pokale zu verleihen. Jeder Teilnehmer des Aktionstages erhielt zu einem Unkostenbeitrag ein T-Shirt mit dem Slogan der Veranstaltung das zugleich als Trikot während der Turniere diente.
Über die sportlichen Aktivitäten hinaus wurden im Unterricht die Themen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit in zeitlicher Nähe zum Aktionstag aufgegriffen, um somit auch das 9inhaltliche Anliegen, nämlich die Erziehung der heranwachsenden Generation zur Toleranz zu vertiefen. Als Höhepunkt organisierte der Jugendhausverein ein Abschlusskonzert, zu dem auch die restliche Bevölkerung eingeladen war.

Ablauf, Ergebnisse und Perspektiven
Zum einen freuten sich die Schüler/Innen auf den Aktionstag, weil er etwas besonderes gegenüber dem Schulalltag darstellte. Viele hatten jedoch Bedenken vor der unbekannten Gruppe, mit der sie zusammenarbeiten sollten. Manche realisierten auch erst kurz vor Turnierbeginn, dass sie nicht ihre eigenen Mannschaftsmitglieder wählen durften. Einige Schüler/Innen hatten die Sorge, dass es zu Pöbeleien oder gar Schlägereien kommen könnte, da sie sich schon „kannten”. Mit „sich kennen” kann sowohl ein gewisses existierendes Bild über eine Schulart und die damit verbundenen Vorurteile – oder Erfahrungen – gemeint sein, als auch Gruppierungen (bei uns hauptsächlich durch unterschiedliche Nationalitäten gekennzeichnet), die während ihrer Freizeit in der Stadt schon aufeinandergeprallt waren.
Es wurden konkrete Bedenken ausformuliert wie: „Was mache ich, wenn ich den ... treffe und der mich anmacht?” Und natürlich: „Ich kann schon mal was wegstecken, aber mein Kumpel, der dreht dann durch und haut ihm eins in die Fresse.” Aus der Sicht der Hauptschule kann gesagt werden, dass niemand die Teilnahme an der Veranstaltung verweigert hat, weil er nicht mit anderen, unbekannten oder „bekannten” Jugendlichen zusammenarbeiten wollte.
Wir wissen, dass sich einige Jugendliche aus dem Oberstufenbereich entzogen haben, weil sie die Veranstaltung in der Form nicht mittragen und wohl auch inhaltlich nicht unterstützen wollten.

Wirkung und Akzeptanz bei den Betroffenen
Schüler/Innen, die zunächst enttäuscht waren, nicht mit ihren Kumpels zusammen sein zu können, kamen abends ganz stolz auf mich zu, weil sie mit ihrer Mannschaft so erfolgreich waren. Rundum waren wohl die meisten sowohl mit dem Angebot, als auch mit der Betreuung und dem friedlichen Verlauf der Veranstaltung zufrieden.
Auf dem Bouleplatz gab es ein stundenlanges friedliches Einvernehmen von Schülern und Schülerinnen verschiedener Schularten und Nationalitäten, die sich sonst eher misstrauisch beäugen. Diese beeindruckende Szene lässt sich auf die meisten Angebote übertragen, wirkliche Konfliktsituationen gab es nirgends.
Schüler, betreuende Lehrkräfte, Vereinsakteure usw. bestätigten mir diesen Eindruck, den ich selbst als Beobachterin an vielen Orten gewonnen hatte.
In der Stadt und an den Aktionsorten entstanden offene Begegnungsmöglichkeiten – alle waren für die gleiche Sache unterwegs. Diese Stimmung wurde auch in den Abend mit übernommen und dort weitergetragen.
In den darauffolgenden Tagen herrschte die Stimmung, dass dieser Tag ein prima Anfang war. Ein gelungener Anfang – und alle wünschten sich einen weiteren Aktionstag oder andere Möglichkeiten, Orte der Begegnung zu schaffen, an die sich alle trauen, um dann auch ein näheres Kennen lernen zu ermöglichen.

Vernetzung mit dem Gemeinwesen
Die Planungsgruppe bestand aus Vertretern aller weiterführender Schulen, der Jugendhilfe (Jugendhaus), örtlicher Presse und Stadtverwaltung. Sie arbeiteten ein Jahr lang intensiv zusammen. Eine Vernetzung dieser Art hatte in der Stadt noch nie stattgefunden.
Lehrer unterschiedlicher Schularten lernten einander kennen und erfuhren einiges über die jeweils spezifischen Aufgaben und die damit verbundenen Probleme. Bei Fragestellungen und Konflikten die über die eigene Schule hinaus gingen, konnte man sich auf kurzem Weg Informationen beschaffen.
Einige gewalttätige Konfliktsituationen zwischen Schülern konnten durch diese Verbindungen früh erkannt und ein Eskalieren unterbunden werden.
Auf einer zweiten Ebene gab es vom Organisationskreis Kontakte mit allen Anbietern (Krankenkassen, Kirche, Polizei, Vereine, Elternvertretungen, ausländische Vereine ...). Die gemeinsame Zielsetzung durch die Medien Kunst, Sport und Musik ein Miteinander verschiedenster Persönlichkeiten zu ermöglichen, gab eine Richtung vor, welche alle mit viel Energie und Aufwand anstrebten. Es kam dadurch zu zahlreichen Einzelgesprächen und neuen Kontakten im Vorfeld. Das Engagement von allen Seiten für die Sache war eindeutig und klar.
Dies wirkte auf den Organisationskreis zurück, bestätigte die Arbeit und trieb sie voran. Auch danach ist dieser Zusammenhalt, diese Verflechtung da und könnte entsprechend genutzt werden.

Offene Fragen/Perspektiven
Da der Aktionstag gegen Gewalt und Rechtsextremismus ein erster Schritt war, sich aufeinender zu bewegen, stellt sich für mich/uns die Frage, in welcher Form weitere Kontakte vertieft, gefunden, aufrechterhalten werden könnten. Dem Arbeitskreis (jedoch sicher nicht alleine) obliegt die Aufgabe, ständige Angebote (Arbeitsgemeinschaften), die für Schüler/innen aller Schularten offen wären, anzubieten. Die Betreuung und die Organisation dieser Angebote ist bisher noch offen.
Bildlich gesprochen ist ein erster Schritt aufeinander zu gemacht worden, vom Einen von Anfang an entschlossen, vom Anderen zögerlich – Misstrauen konnte abgebaut und Vertrauen angebahnt werden – jetzt wäre die Möglichkeit, auch nachdem die Offiziellen sich durch die organisatorische Tätigkeit aufeinander zu bewegt haben, sich an den Händen zu fassen. (M. Becker)

Kontakt
Stadt Mühlacker
Sibylle Hollosi
75417 Mühlacker
Fon 07041.876244
eMail: SHollosi@stadt-muehlacker.de


Und das sagen die Beteiligten zum Projekt

Projekt-Impressionen

Zurück zur Projekt-Übersicht